Liebe Mitglieder, liebe Freunde des CKV Annaberg!                            

                   

Liebe Freunde, als ich vor einiger Zeit einen Schulfreund zufällig wiedergetroffen habe – wir hatten uns tatsächlich seit dem letzten Schultag aus den Augen verloren – da standen wir vor der Frage, was denn beruflich aus uns geworden sei. Wir lachten und versuchten zu raten. „Heiteres Beruferaten“, wie in der jahrzehnte lang beliebten Ratesendung „Was bin ich?“ Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran? Amüsant zu hören wie sich die Frageakrobatik des Rateteams der Tätigkeit des Kandidaten annäherte. Interessant war auch dessen Handbewegung, die das Charakteristische seines Berufes herausstellen sollte. Mein Freund und ich gaben uns Mühe, auch etwas berufstypisches aufzuzeigen. Und in diesen Momenten kam mir folgender Gedanke: Würde man uns Christen, also die „Mutter Kirche“, zum heiteren Beruferaten einladen, was wäre dann die treffende Handbewegung? Der erhobene Zeigefinger? Christen als Vertreter einer moralischen Instanz? Nicht wenige Menschen wünschten, die Kirche möge diesbezüglich strenger und konsequenter sein. Sind es möglicherweise die „Macherhände?“ Solche, die anpacken und Aktionen starten!? Oder noch anders: Sollten es eher die segnenden Hände sein wie sie Christus selbst erhebt?  Oder wären die betenden Hände wie sie Albrecht Dürer gezeichnet hat, das Kennzeichen? Wie auch immer die Entscheidung ausfällt: Wohl kaum ein Zeichen der Hände wird das Ganze, nämlich unser Wesen und unseren Auftrag darstellen können. Verschieden wichtige Handbewegungen sind möglich. Mir geht die ausgestreckte offene Hand durch den Sinn, die wir unserem Nächsten reichen. „Ich bin für dich da“. Genau das spricht doch Gott, der Herr zu uns.

Und noch was fällt mir ein. Die Kreuzigungsszene von Matthias Grünewald gemalt. Dieses berühmte Gemälde auf dem Isenheimer Altar. Da steht Johannes der Täufer am Kreuz, und mit übergroßer Hand zeigt er auf den Gekreuzigten, den Heiland der Welt. Johannes weist von sich selbst weg auf den hin, der alles menschliche Leid auf  sich genommen hat. Christus trägt die Schuld aller, unsere Schuld. Weil er alle Menschen liebt. Das Bild ist eine "Hinweistafel". Jedem Betrachter wird der Weg zum Leben gewiesen. Dieser Weg führt durch die Finsternis des Kreuzes in das Licht der Auferstehung.

Wenn wir durch die Passionszeit gehen, dann werden wir als Gemeinde etwas von dieser Kreuzesfinsternis verspüren. Nur im Erleben dessen werden wir erfahren, was die wahre Osterfreude bedeutet und was es heißt, ein Kind des Lichtes sein zu dürfen. Ich meine, die Kirche ist dort ganz bei ihrer Sache, wo sie von sich weg zeigt – auf IHN hin, der für uns gestorben und auferstanden ist. Und Menschen in der Welt erfahren am meisten vom Leben als Christen, wenn sie selbst dieser Handbewegung folgen und den Herrn des Lebens finden.

Mögen wir es selbst tun, andere einladen und erleben, daß der Herr unsere Hände mit seinem Segen füllt.

 

Herzlich Euer Pfarrer Karsten Loderstädt

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